Der Markt für günstige virtuelle Server ist voll von Angeboten zwischen 1 und 10 US-Dollar. Doch in vielen Fällen handelt es sich um überbuchte Systeme, auf denen Nachbarn Ihnen 40 % der CPU-Zeit „wegnehmen“. Oder um „ehrliche“ 512 MB RAM, die gerade noch für eine statische Website reichen.
Viele Anbieter spielen zudem gerne mit Formulierungen: „Unbegrenzter Traffic“ bedeutet am Ende eine 100-Mbit-Anbindung. Ein „dedizierter Core“ teilt sich Ressourcen mit zehn anderen Kunden. Und vermeintlich schnelle SSD-Speicher sind durch Overprovisioning oder schlechte Storage-Setups langsamer als alte Festplatten.
Wir haben vier Provider getestet, die sich als „ehrliche Budget-Anbieter“ positionieren.
Worauf man bei der Wahl achten sollte
CPU-Steal (gestohlene CPU-Zeit) ist der wichtigste Indikator. Werte über 5 % bedeuten, dass der Hypervisor Ihre Rechenleistung an andere virtuelle Maschinen abgibt.
ECC-RAM (Fehlerkorrekturspeicher). Viele günstige Provider sparen hier und setzen auf normalen Speicher ohne Schutz. Das Ergebnis: zufällige Abstürze oder unerklärliche App-Fehler.
Reale Disk-Performance. Ein Server mit „SSD“ kann in der Praxis nur 2.000 IOPS liefern statt 100.000 – durch Überbuchung, schlechte RAID-Konfigurationen oder billige Storage-Controller.
Netzwerk-Limits. Gemeinsame Uplinks, künstliche Drosselungen und schwaches Routing machen aus einem „Gigabit-Port“ am Ende 50 Mbit/s in Ihrem Land.
Versteckte Einschränkungen. Oft sind Mail-Ports gesperrt, Abuse-Regeln extrem strikt oder es gibt Limits bei Prozessen und Dateien.
1. Platz: THE.Hosting — 1 € mit echter Qualität
THE.Hosting gewinnt, weil 1 € für den Ferum-Tarif hier tatsächlich ein dediziertes CPU-Kern-Setup, ECC-RAM und schnelle SSD-Speicher in einem ausfallsicheren RAID-Verbund bedeutet.
Ferum: 1 €/Monat zum Start
- 1 dedizierter AMD-EPYC-Core
- 1 GB ECC-RAM
- 15 GB Storage im RAID-10
- Unbegrenzter Traffic
- 10-Gbit/s-Port
- 50+ Standorte weltweit
Maximal 6 Monate nutzbar, danach Wechsel auf einen regulären Tarif. Das reicht, um eine Idee zu testen oder ein Minimal-Produkt zu starten.
Reguläre Tarife
- Aluminium: 5,77 €/Monat (1 Core, 1 GB RAM, 25 GB Storage)
Skalierung bis 32 Cores und 64 GB RAM möglich.
Messwerte aus der Praxis
- CPU-Steal: 0,1–0,3 %
- Disk-Performance: 185.000–210.000 IOPS
- Netzwerk: 900–980 Mbit/s real
- Latenz nach Europa: 8–15 ms
Geeignet für: Entwickler, MVPs, Test-Umgebungen, private Projekte.
Nicht geeignet für: High-Frequency-Trading, Streaming-Video, große Game-Server-Cluster.
2. Platz: RackNerd — 10,28 $ pro Jahr
10,28 $ pro Jahr (0,86 $ pro Monat) ist ein realer Preis – allerdings mit einigen Einschränkungen.
Basistarif
- 1 vCPU (geteilt mit anderen)
- 768 MB RAM (ohne ECC)
- 10 GB SSD-Storage
- 1 TB Traffic pro Monat
- Mehrere Standorte in den USA
Realität
CPU-Steal liegt bei 3–8 %, was für ein Budget-Setup akzeptabel ist. RAM ist oft überbucht. Die Disk-Performance liegt nur bei 5.000–8.000 IOPS. Das Netzwerk fällt zu Stoßzeiten auf 100–200 Mbit/s.
Typische Probleme
- Beliebte Tarife sind in wenigen Stunden ausverkauft
- Support reagiert in 10–15 Minuten, komplexe Fälle dauern Tage
- Mail-Port 25 ist gesperrt
- Backups sind kostenpflichtig (1,50–3 $/Monat)
Geeignet für: Linux-Lernen, Entwicklungsumgebungen, Blogs, VPN-Exit-Nodes.
Nicht geeignet für: Produktiv-Websites mit SLA, Mail-Server, ressourcenintensive Anwendungen.
3. Platz: BuyVM — Kultanbieter mit besonderen Features
Ab 2 $ pro Monat, mit sehr guter Reputation in der Community.
VPS-Tarife
- Slice 512: 2 $/Monat (512 MB, 10 GB, 500 GB Traffic)
- Slice 1024: 3,50 $/Monat (1 GB, 20 GB, 1 TB)
- Slice 2048: 7 $/Monat (2 GB, 40 GB, 2 TB)
Das Highlight: Block-Storage
- 256 GB — 1,25 $/Monat
- 1 TB — 5 $/Monat
- 2 TB — 10 $/Monat
Ein Storage-Pool auf klassischen HDDs – ideal für Backups oder Media-Archive.
DDoS-Schutz
- 3 $/Monat — Filterung bis 60 Gbit/s
Für Game-Server praktisch Pflicht.
Nachteile
- Häufig nicht verfügbar
- Keine cPanel-/Plesk-Panels
- Strenge Regeln (Mining-Verbot, Torrent-Einschränkungen)
Geeignet für: Netzwerk-Admins, günstiges Storage, Game-Server, geschützte Tunnel.
Nicht geeignet für: Einsteiger, WordPress ohne Panel, Mail-Server.
4. Platz: HostHatch — globale Abdeckung
14 Standorte auf vier Kontinenten. Teurer als 5 $, aber die Flexibilität kann den Preis rechtfertigen.
Basistarife
- 2 GB: 5 $/Monat (1 Core 50 % dediziert, 2 GB, 20 GB, 1 TB)
- 4 GB: 10 $/Monat (1 Core 100 % dediziert, 4 GB, 35 GB, 2 TB)
Aktionen
- 29 $/Jahr: 2 Cores, 4 GB, 50 GB
- 55 $/Jahr: 4 Cores, 8 GB, 100 GB
Premium-Standorte
Hongkong, Sydney, Singapur, Tokio – ideal für Asien. Europa: London, Stockholm. USA: Los Angeles, New York, Chicago.
Nachteile
- Leistungseinbrüche zu Stoßzeiten
- Support: 2–24 Stunden
- Deployment bei einigen Tarifen: 1–2 Tage
Geeignet für: internationale Projekte, Deployments in Asien/Ozeanien, verteilte Systeme.
Nicht geeignet für: reine US-Projekte, kritische Produktionssysteme.
Gesamtvergleich: Total Cost of Ownership (18 Monate)
- THE.Hosting: 75,24 € (≈ 82 $)
- RackNerd: 28,28 $ (12 Monate)
- BuyVM: 78 $ + Zusatzoptionen
- HostHatch: 120 $ (12 Monate)
Praktische Szenarien
Startup-Launch: THE.Hosting Ferum 1 € × 6 Monate. Produkt-Markt-Fit testen für 6 €.
Admin-Training: RackNerd 10 $/Jahr. Ohne Verpflichtungen experimentieren.
Game-Server: BuyVM Slice 2048 + DDoS-Schutz. 2 GB reichen für Minecraft, Schutz gegen „Script-Kiddies“.
Internationaler Dienst: HostHatch in Hongkong/London/New York. Globales Routing, eine Rechnung.
Fazit
THE.Hosting liefert Qualität ohne Tricks: dedizierte Ressourcen, ECC-RAM, schnelle Storage-Arrays – geeignet für ernsthafte Projekte.
RackNerd ist ideal für Experimente und Hobby-Projekte für 10 $ im Jahr.
BuyVM ist ein Spezialanbieter: günstiger Storage, Routing-Optionen und DDoS-Schutz – für erfahrene Nutzer.
HostHatch punktet mit globaler Geografie: 14 Standorte rechtfertigen den Preis, wenn Reichweite entscheidend ist.
Die wichtigste Regel: AGB lesen, Performance testen und Backups immer extern sichern. Anbieter im Bereich 1–10 $ müssen zwischen ehrlichem Preis und operativen Kosten balancieren – und nicht jeder macht das fair.
